Newsarchiv 2008
Personalnot zwingt zu Wochenend-Arbeit
Von Joachim Eggers
Fürstenwalde (MOZ) Die Firma Chemie- und Tankanlagenbau Reuther expandiert - und stößt dabei an Grenzen, weil sie kein geeignetes Personal findet. Deshalb wird zum 1. September ein neues Schichtsystem eingeführt, in dem auch an den Wochenenden rund um die Uhr gearbeitet wird.
222 Mitarbeiter hat die traditionsreiche Firma, die seit April 2007 zur dänisch-amerikanischen Unternehmensgruppe Hendricks Industries gehört. Zum Zeitpunkt der Übernahme waren es 140 Mitarbeiter, sagt Personalleiter Jens Götke. "Die Leute, die wir jetzt haben, sind top-qualifiziert und motiviert", lobt der Däne. Und die Auftragsbücher sind voll. Vor allem der Bau von Türmen für Windkraftanlagen boomt. Dort sieht Götke auch das Hauptgeschäft der Zukunft. Zunehmend werde Reuther auch für die sogenannten off-shore-Anlagen bieten, also Windräder, die im Meer installiert werden, wo der Wind stärker ist und die Flauten seltener sind.
Diese Entwicklung hat auch schon ihren Niederschlag in den Portmonees der Angestellten gefunden: Im Januar wurde das Gehalt der Beschäftigten um sechs Prozent angehoben - nach jahrelangem Stillstand. Darüber hinaus führte Reuther eine gewinnabhängige Bonus-Zahlung ein: 10 Prozent des Gewinns pro Quartal werden an die Belegschaft ausgeschüttet.
Der Expansionskurs, der auch mit den Eigentümern abgesprochen ist, soll jetzt auch zur Übernahme eines benachbarten Grundstücks führen. "Die Verhandlungen mit der Stadt laufen", so der Personalleiter. Dann wird das Betriebsgelände von jetzt rund 108.000 Quadratmetern um weitere 45.000 Quadratmeter vergrößert.
Doch um mehr zu produzieren, muss auch mehr gearbeitet werden. Und weil Götke allmählich keine qualifizierten Schlosser und Schweißer mehr findet, hat er ein neues Schichtmodell entworfen, das ab 1. September greifen soll. Es sieht eine Aufteilung der Belegschaft in zwei Teams vor, die jeweils abwechselnd 12 Stunden am Tag im Dienst sind, von denen elf Stunden Arbeitszeit sind - eine Stunde machen die Pausen aus. Dabei wird ein Team in einer Woche fünf Tage und in der nächsten Woche zwei Tage arbeiten.
Für jeden einzelnen Beschäftigten ergibt sich ein Wechsel von einer 55- und einer 22-Stunden Woche. Im Durchschnitt ergibt sich daraus fast eine 40 -Stunden-Woche wie jetzt. Ein Tag pro acht Wochen müsse noch nachgearbeitet werden. Die Firma erzielt aber mehr Fertigungsstunden durch die Arbeit an den Wochenenden. Jeder Beschäftigte ist jedes zweite Wochenende im Dienst. "Wenn wir qualifizierte Mitarbeiter finden würden, bräuchten wir das nicht zu machen", sagt Götke. "Mir fehlen übers nächste halbe Jahr 40 bis 50 Leute."
Mittwoch, 27. August 2008
Mega-Behälter rollen durch die Stadt
Von Joachim Eggers
Fürstenwalde (MOZ) Die Großtransporte sind jedes Mal ein Spektakel für die ganze Stadt: Gestern hat die Firma Reuther zwei 500-Kubikmeter-Behälter vom Werk zum Hafen an der Lindenstraße transportieren lassen.
Am Stern hatte sich schon eine Schulklasse aufgebaut, um den riesigen Transporter zu sehen, der über die Hegelstraße in die Stadt gefahren kam. Überall stand Polizei und leitete den Verkehr großräumig um: Schon am Amtsgericht wurden Autofahrer aus Richtung Spreebrücke in die Reinheimer Straße gewinkt.Angesichts der Maße des Transporters war das unumgänglich: 56 Meter Länge, 5,80 Meter Breite der Gesamtladung. Die größte Schwierigkeit beim Transport ist die Höhe: 6,75 Meter. Wie sich in der Lindenstraße zeigte, war aber auch die Breite ein erhebliches Problem. Der Transporter schrammte gegen einen Baum. Mit einigem Manövrieren kam der Transport am Vormittag vorbei. Die Behälter selbst sind nicht so groß und auch nicht so schwer: Sie wiegen knappe 100 Tonnen - der Gesamttransport bringt es dann auf 238 Tonnen. Die Länge des Behälters beträgt etwa 33 Meter.
Die beiden Behälter, die gestern verschifft wurden, gehen nach Schkopau, wie Klaus Gurack, der Vertriebsleiter Apparatebau bei Reuther, erläuterte - zu der Firma Dow Olefinverbund. Von der Auftragsvergabe bis zur gestern begonnenen Lieferung ist mehr als ein halbes Jahr vergangen - genau am 19. Oktober hatte Reuther den Zuschlag erhalten. Der Auftrag, der nach Angaben von Gurack ein Gesamtvolumen von etwa 800 000 Euro hat, umfasst außer der Fertigung auch den gesamten Transport und das Aufstellen.
Die beiden Behälter, die gestern verschifft wurden, gehen nach Schkopau, wie Klaus Gurack, der Vertriebsleiter Apparatebau bei Reuther, erläuterte - zu der Firma Dow Olefinverbund. Von der Auftragsvergabe bis zur gestern begonnenen Lieferung ist mehr als ein halbes Jahr vergangen - genau am 19. Oktober hatte Reuther den Zuschlag erhalten. Der Auftrag, der nach Angaben von Gurack ein Gesamtvolumen von etwa 800 000 Euro hat, umfasst außer der Fertigung auch den gesamten Transport und das Aufstellen.
Beim Transport ist der Fürstenwalder Part noch der einfachere: Am anderen Ende werden die Behälter nämlich in Pfützthal abgeladen und müssen von dort nach Schkopau über die Straße gefahren werden - inklusive Sperrung einer Bahnstrecke. Reuther wählt nach Angaben von Gurack den Wasserweg auch gerne, weil dort die Unwägbarkeiten kleiner seien. Denn zwischen Abgabe des Angebots und Lieferung liegt in diesem Fall ein Jahr - viel Zeit, um zum Beispiel eine Straßenbaumaßnahme zu beginnen, die den Transport verhindert. "Diese Kosten werden eins zu eins an uns durchgereicht", sagt Gurack. Das betrifft auch die Kosten für den Polizei-Einsatz und das Wegdrehen von Schildern - ein Vorgang, für den wiederum Firmen unter Vertrag genommen werden.
Reuther vergibt den Transport seinerseits an eine Spedition; gestern war ein Unternehmen mit einer Niederlassung in Berlin am Zug. Die Spedition muss sich auch um das gesamte Genehmigungsverfahren kümmern. Weil Reuther solche Transporte schon öfter veranstaltet hat, klappt die Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden und Polizei gut. "Wir sind froh, dass wir diesmal tagsüber fahren durften. Das ist einfacher als nachts", so Gurack dankbar.
Im Juni und Juli steht jeweils ein weiterer größerer Transport an - beide Male geht es über die Straße nach Berlin.

